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Werte, Motive und Motivation

Bei dem Thema „Werte“ scheiden sich die Geister!

Manche Menschen haben einen leichten Zugang; bewusst oder unbewusst. Andere können (und wollen) diese nicht definieren, haben eine Blockade oder unbewusste Barriere, wenn es um dieses Thema geht. Selbst das Wort „Werte“ lehnen sie ab.

Deswegen wollen wir uns das Thema aus der Perspektive von ACT (Acceptance-Commitment-Therapy) anschauen und es so mit einer gewissen Leichtigkeit angehen. Ergänzt wird dieses Thema noch mit „Motiven“, die für viele leichter zugänglich sind.

1. Was sind Werte?

Unsere Werte sind unser Lebenskompass. Sie sind unsere Orientierung im Leben, die uns helfen auf unserem Weg zu bleiben. Oder auch unsere Herzenswünsche in Hinblick darauf, wie wir uns verhalten wollen, wenn wir uns selbst, anderen Menschen und der Welt begegnen. Werte können uns auch helfen mit uns selbst in Kontakt zu kommen.

Warum spielen Werte überhaupt eine Rolle?

Ein werteorientiertes Leben kann dabei helfen dem Leben einen Sinn und Zweck zu verleihen und auch eine gewisse Resilienz aufzubauen. Sie können als „innere Führung“ genutzt werden, um Ziele zu erarbeiten, Umstände zu akzeptieren oder auch unsere Motivation wieder zu finden, wenn diese mal verloren gegangen ist.

Wichtige Aspekte unserer Werte ...

  • Werte haben einen beständigen Einfluss auf unser Handeln bzw. unsere Handlungen; egal ob heute, morgen oder in den nächsten Monaten.

  • Werte haben immer eine umfassende und gewählte Qualität. „Gewählt“ bedeutet, dass wir diese Werte bewusst für unser Handel ausgewählt haben. „Umfassend“ bedeutet, dass die Qualität unserer Werte all unser Handeln beeinflusst und uns in jedem Moment zur Verfügung steht.

  • Werte sind immer individuell.

  • Werte sind eine Orientierung und sollten nicht komplett mit unserer Identität verschmelzen und so zu starren Regeln werden, sondern müssen sogar eine gewisse Flexibilität und Priorität je nach Kontext haben. Werte können sich mit neuen Erfahrungen auch anpassen oder verändern.

  • Werte gelten für uns selbst und auch für andere. Bedeutet; was braucht eine Person, um ihre Werte sich selbst gegenüber zu leben und was muss diese Person tun, um die Werte auch nach außen hin leben zu können.

Schwierigkeiten bei der Arbeit mit Werten

Häufig nennen Klienten Ziele anstatt Werte. Eine Frage, die helfen könnte: „Wenn Sie Ihr Ziel erreicht haben, welche persönlichen Qualitäten würden Sie nun offen zeigen können bzw. würden Sie auf den weiteren Weg begleiten?“.

Des Weiteren bedürfen unsere Werte einer Rangfolge, die sich je nach Situation und Kontext anpassen kann. Das bedeutet, wenn in einer Situation ein bestimmter Wert uns leitet, führt uns in einen anderen Kontext ein anderer Wert. Dies kann verwirrend sein.

Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, weshalb Menschen ihre Werte nicht greifen können oder auch nicht wollen. Zum Beispiel kann dies auf Konflikte zwischen Ziele und Werte hindeuten. Motive, die unsere Werte unterdrücken. Aber auch innere Anteile und Stimmen wie z. B. Empfindungen oder Bewertungen. Auch werden die eigenen Werte teilweise von kulturellen oder familiären Werten überlagert und dadurch nicht frei gewählt.

Sollten Sie Schwierigkeiten damit haben, könnte eine psychologische Beratung helfen.

Gerade weil sich viele Menschen mit den Thema „Werte“ schwer tun, möchte ich den Beitrag um „Motive“ ergänzen, zu welchen Menschen häufig einen leichteren Zugang haben. Das liegt daran, dass Motive im emotionalen Raum verankert, während Werte eher abstrakter Natur sind.

2. Was sind "Motive"?

Motive erklären ein anderes „Warum“ hinter unserem Verhalten. Sie sind unsere Bedürfnisse oder auch unser Antrieb, welche unser Verhalten steuern. Was bewegt den Menschen dazu bestimmte Ziele zu verfolgen?

Motive und Werte sind eng miteinander verwoben und beeinflussen sich gegenseitig. Wo Werte eher kognitiver Natur sind, sind Motive eher in unseren Emotionen verankert (limbische System). Werte und Motive können sehr ähnlich sein, z. B. Ordnung oder Unabhängigkeit können sowohl Werte als auch Motive darstellen.

Die Funktion von Motiven ist die Bestrebung eines bestimmten Zieles, um Bedürfnisse zu erfüllen.

Es gibt viele unterschiedliche Arten und Unterteilungen von Motiven, darunter fallen z. B. primäre Motive (z. B. Durst, Hunger, Müdigkeit etc.) und sekundäre Motive (z. B. Zugehörigkeit, Macht, Leistung, etc.). In dieser kurzen Übersicht, sind implizite und explizite Bedürfnisse noch erwähnenswert. Wir sind uns selten über unsere impliziten Bedürfnisse bewusst, weil diese uns unterbewusst und affektiv steuern, da diese bis ins frühe Kindesalter entstehen. Hier finden wir z. B. auch wie uns transgenerationales Trauma, familiäre Dynamiken und epigenetische Prägung unbewusst beeinflusst, die wir in Familienaufstellungen oder systemischer Beratung im Einzelsetting versuchen sanft aufzudecken. Explizite Motive hingegen sind wir uns bewusst und können diese ohne Probleme benennen.

Wie hängen Motive, Werte und Motivation zusammen?

Unsere Motive bilden das Fundament für unsere Motivation. Die Motivation ist der aktivierte Zustand bzw. die Handlung, weil wir durch einen Reiz die Möglichkeit haben ein Motiv zu erfüllen. Wenn wir unserem Leben einen Sinn verleihen wollen, ist es wichtig hier auch unsere Werte zu berücksichtigen.

BEISPIEL:

Ich habe Durst (primäres Motiv). Also bin ich jetzt motiviert von meinen Platz aufzustehen und mir ein Glas Wasser zu holen, um meinen Durst zu stillen. Dabei könnte ich den Wert „Achtsamkeit“ ergänzen, indem ich auf dem Weg in die Küche achtsam im Hier und Jetzt bleibe und währenddessen nicht gedanklich am Schreibtisch bei meiner Arbeit sitzen bleibe.

So sind Ziele dann am Ende bewusste, messbare und konkrete Ausformulierung unserer Motive und Bedürfnisse zu erfüllen.

3. Beispiel

Einige Werte einer Person sind Herzlichkeit, Empathie und respektvoll zu sein. Die Person hat das Ziel eines Tages zu heiraten aus dem Motiv der Zugehörigkeit heraus, was diese Person antreibt. Die Werte dieser Person stehen ihr in jeder Beziehung, egal welcher Art, und Begegnung mit Menschen zur Verfügung und können ihrem Leben einen Sinn verleihen und sie erfüllen. Selbst wenn es mit der Heirat nicht klappen sollte, kann sie durch ihre Werte und Motive dennoch ein erfülltes Leben führen, auch wenn das Ziel nicht erreicht wurde. Allerdings können andere Werte, z. B. Selbstbewusstsein, aber auch Selbstempathie bzw. Selbstmitgefühl als ursprünglicher Wert (weil die eigenen Werte auch für sich selbst gelten), in Beziehungen und Situationen, in welchen andere Menschen diese Gutherzigkeit ausnutzen wollen, in der Priorität nach oben rutschen und die Person kann gesunde Grenzen setzen und nein sagen, ohne zu mauern.

Personen, die ein zielorientiertes Leben führen, können Frustration und auch Mangel empfinden, weil ihr Fokus auf einen Zustand in der Zukunft ausgerichtet ist, den man vielleicht, aber vielleicht auch nicht erreicht. Manchmal fühlt sich selbt das Erreichen eines Zieles nicht erfüllend an.

Eines vorweg; es gibt unzählige Methoden, um die Werte zu finden! Folgende Methoden lassen sich leicht und selbstständig umsetzen.

Wie finde ich meine Werte?

Eine einfache, bekannte Reflexion ist folgendes Szenario:

Wie im Film „Verschollen“ mit Tom Hanks: Ihr Flugzeug stürzt über dem Meer ab, Sie überleben und stranden unverletzt auf einer unbewohnten Insel und schaffen es irgendwie zu überleben. Dennoch denken in der Heimat alle, Sie seien gestorben und es findet ein Begräbnis zur Ihren Ehren statt. Monate später werden Sie endlich gefunden, weil Sie es auf das offene Meer geschafft haben. Als Sie daheim angekommen sind, schauen sie das Video ihrer Beerdigung.

Was würden Sie die Menschen gerne über Sie sagen hören? Was wollen Sie als Mensch „hinterlassen“ und was sollen andere über Sie erzählen? Wie Sie sie behandelt haben? Wie sie sich in Ihrer Gegenwart gefühlt haben? Was ist die Qualität, die sie als Mensch verkörpern wollen? Wofür möchten Sie anderen in Erinnerung bleiben?

Sie können diese Fragen schriftlich beantworten, bei einen Spaziergang mit Ihrer Lieblingsmusik oder auch darüber meditieren.

HIER finden Sie noch eine kurze Übersicht an Werten, an welcher Sie sich orientieren können.

Wie finde ich meine Motive?

Dieses Methode basiert auf dem Motivationsforscher Steven Reiss und am Ende haben Sie ihre 3 Lebensmotive, die Sie morgens aus dem Bett bringen.

Die Definition der Begriffe ist Ihre eigene Definition und das, was Sie damit verbinden. Arbeiten Sie hierbei möglichst aus Ihrem Körper heraus und versuchen Sie Ihren Kopf auszuschalten …

1. Schritt:

Hierzu schauen Sie sich die Liste mit den 14 Begriffspaaren an und streichen dabei schnell, ohne wirklich darüber nachzudenken, den Begriff durch, der Ihnen weniger wichtig ist. Wenn Sie sich schwer entscheiden können, dann hören Sie auf Ihr Bauchgefühl – welcher Begriff gibt Ihnen einen besseres Gefühl? Versuchen Sie dabei möglichst wenig nachzudenken.

2. Schritt:

Jetzt haben Sie in jeder Zeile noch einen Begriff übrig, also 14 Begriffe. Davon wählen Sie jetzt wiederum 7 Begriffe aus, die sie am meisten ansprechen und kreisen diese ein oder markieren Sie diese mit einem Textmarker. Versuchen Sie dies wieder möglichst ohne zu lange in Ihrem Kopf zu verharren.

3. Schritt:

Zum Schluss wählen Sie jetzt 3 Begriffe aus und setzen diese in eine Rangfolge. Welcher Begrifft spricht Sie am meisten an? Welche Begriffe würden Sie eher unterordnen.

Diese 3 Begriffe sind Ihre Lebensmotive oder Antreiber.

4. Schritt (optional):

Sollten Sie den Begriff „Lebenskraft“ gewählt haben, dann sollten Sie noch einen vierten Begriff auswählen und ein bisschen in sich gehen: Bin ich urlaubsreif oder fühle mich erschöpft? Bin ich immer auf dem Sprung und komme kaum zur Ruhe?

Sollten Sie gut erholt und ausgeruht sein, können Sie auch beim Begriff „Lebenskraft“ bleiben ohne Ihre Top 3 zu ergänzen.